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Ausgeglichenes Pokerleben, um den Profit zu maximalisieren
Autor: Redaktion04. 12. 2007
In dieser Artikelreihe geht es nicht um Pokerstrategien, nicht darum, wie man Asse oder Könige am besten spielt, sondern darum, wie man körperlich und seelisch ein ausgeglichenes gesundes Leben als Semiprofi- oder Profipokerspieler führen kann. Als Semiprofi bezeichne ich Spieler, die mehr als 30% ihrer Einkünfte aus dem Pokern beziehen, wobei Profipokerspieler ihren Lebensunterhalt ausschliesslich mit dem Pokern verdienen.
Ich möchte zum Anfang feststellen, dass meiner Meinung nach die unten aufgeführten "ungeschriebenen" Regeln mindestens genauso wichtig sind (wenn nicht noch wichtiger) als die matematischen Grundvoraussetzungen oder das Spiel seiner Gegner lesen zu können. Wie in allen Bereichen des Lebens ist das Grundprinzip des Erfolges, wenn man im Einklang mit sich selbst und seiner Umwelt ist.  Das erreicht man nur, wenn  man ein harmonisches, glückliches Leben führt.
Bevor du diesen Artikel liest, solltest du dich fragen, wie ernst du dich mit dem Pokern beschäftigen möchtest.  Ein Hobbyspieler ist bereit ein paar Dollar im Monat für sein Vergnügen auszugeben. Wenn du das Pokerspiel aber als Nebeneinkunft oder als Haupteinnahmequelle siehst, musst du mit einer ganz anderen Einstellung an das Pokern herangehen. In dem ersten Artikel befassen wir uns mit dem Semiprofispieler.

Gedanken zum Semi-Profi spieler:

Wenn du ein Semi-Profi Spieler bist, hast du oft das Gefühl, dass du es nicht leicht hast, jede Minute deines Tages ist verplant. Dein grösstes Problem ist, dass der Tag nur 24 Stunden hat. Davon musst du mindestens 6 bis 8 Stunden schlafen und 8-12 Stunden arbeiten. Du hasst immer das Gefühl, dass du keine Zeit hast, kein Wunder, wenn das Pokern deine restliche Zeit an einem Tag ausfüllt. Du grübelst ständig, wo könnte ich noch Zeit sparen, wann hätte ich noch  mehr Zeit zu lernen in der noch vorhandenden oder besser formuliert in der nicht vorhandenden Zeit :-)
Dir muss klar sein, dass du gegen viele deiner Gegner im Nachteil bist, denn je höher du spielst desto höher wird der Anteil der Spieler, die ausschliesslich vom Pokern leben. Die haben natürlich auch mehr Zeit, um sich fortzubilden.

So treffen die folgenden Beobachtungen auf einen Semi-Profi Spieler zu:

- Er schläftst zu wenig, kann sich nicht richtig ausruhen.
Er ist nicht im Stande  das maximum aus sich herauszuholen, sowohl in der Arbeit als auch im Spiel. Ein unausgeruhter Spieler macht Fehler. Es kommt also vor, dass er in einer Session den Gewinn von 2 Tagen verspielt. Zwei Pferde kann man eben schwer gleichzeitig reiten. :-)
Wenn du nach einer Session aufstehst und dich fragst, warum habe ich mich so müde überhaupt noch hingesetzt, um zu spielen, trifft das auch auf Dich zu!

- Du bist wegen des ständigen Zeitmangels total unausgeglichen.
Das ständige Hetzen kann auf Dauer sehr frustrierend sein. Wenn du dir darüber Gedanken machst, wie du noch 5 Minuten bei der Arbeit einsparen kannst, trifft das auch auf Dich zu!

- Zu wenig Sport
Selbst wenn er früher Sport betrieben hat, du geizt er jetzt mit der Zeit dafür. Er denkt sich, dass er lieber ein paar Stunden spielt. Tennis oder Fussball hat auch morgen Zeit. Wenn der Sport in den Hintergrund rückt, hat das auf lange Sicht sehr gravierende Folgen, Die körperliche Ausdauer verringert sich, ganz zu schweigen von den anderen, z. B. mentalen Auswirkungen des Sports. Wenn du jede Woche nicht wenigstens einmal Sport treibst, trifft dass auch auf dich zu!

- Zu wenig Abwechslung, zu wenig Fun
Er hat keine Zeit sich mit Kumpels zu treffen.  Aus einem geplantem Discobesuch oder einem gemütlichen Abend mit ein paar Bierchen in der Stammkneipe wird doch eine Poker Runde.
Wenn du jede Woche nicht mindestens einmal mit Freunden ausgehst, trifft das auch auf Dich zu!

- Die Probleme in der Arbeit wirken sich auf dein Spiel aus, umgekehrt ist das natürlich auch der Fall.
Oft kommst man von Arbeit nach Hauses und dein Kopf ist voll von berechtigten oder unberechtigten Vorwürfen deiner Kollegen, die natürlich dein Spiel negativ beeinflussen. Dasselbe ist natürlich umgekehrt genauso. Nach einem Abend voller bad beats kann man sich nicht hunderprozentig auf seine Arbeit konzentrieren.

- Das Pokern besteht in erster Linie aus Spielen, nicht aus Lernen.
Das Problem ist weider einmal der Zeitmangel. Man spielt lieber die 2-3 Stunden, als etwas zu lernen, obwohl man weiss: Um anhaltend Erfolg zu haben, muss man sich  immer weiterentwickeln. Wenn du weiniger als 25% der ins Pokern investierten Zeit mit Lernen verbringst und deine Partien nach der Session nicht analysierst, trifft das auch auf Dich zu!

- Am Wochenende hast du keine Zeit um Dich zu regenerieren.
Die Wochenenden sind Tage, wo du deine Versäumnisse nachholen willst.  Du hast zu wenig gelesen...,  mach ich am Wochenende, du hast zu wenig gespielt... , mach ich am Wochenende, ich muss ja den Bonus noch schaffen. Wenn du keinen Tag hast,  einfach mal abzuschalten, kommt der Tag, wo du überfordert sein wirst.  Du wirst krank, bist ständig müde, Lustlosigkeit macht sich breit. Ich glaube jeder von uns hat schon solche Tage erlebt.

- Du hast zu wenig Zeit für deine Freundin oder deine Famillie.
Du hast oft das Gefühl,  keiner versteht dich. Wenn du darüber nachdenkst, wirst du es leichter verstehen, denn die Zeit vor dem Computer ist eigentlich die Zeit, die du mit ihnen verbringen solltest. Glaube mir, sie verstehen es nicht so leicht,  dass davon der nächste Mauritiusurlaub bezahlt wird, oder habt Ihr etwa Lust auf Balkonien?


Man kann diese Verhaltensweisen natürlich auch als Spielsucht auslegen, aber ich möchte betonen, dass ein Semi-Profi Spieler das Spiel meistens als Nebeneinkunft, als sein Hobby betrachtet. Er spielt in erster Linie um das Geld und nicht aus Leidenschaft. Deshalb ist es auch kein Problem für ihn  ein paar Tage auch mal ohne das Pokern zu exestieren.

Ratschläge für Semi-Profis:

- Plane deinen Tag im voraus. Die optimale Zeiteinteilung wird dir viel helfen!

- Schlafe mindesten 8 Stunden! Wenn du versuchst daran zu sparen, rächt sich das sehr schnell, denn schon nach zwei Tagen fühlst du dich müde, und verlierst mehr als du bis dahin gewonnen hast.

- Versuche nicht Zeit zu sparen, wenn du zur Arbeit fährst, sondern versuche diese Zeit effektiv zu nutzen. Drucke dir Fachliteratur aus, oder die Hand History vom vorigem Abend und analysiere sie. ( tue das aber nicht, wenn du mit dem Auto zu Arbeit fährst :-) Wenn du mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Arbeit fährst, ist das ziemlich optimal.

- Lasse Arbeit Arbeit sein und spiele nie am Arbeitsplatz. Ich habe nichts gegen 15 bis 20 Minuten Forum lesen in der Mittagspause, aber nie aktiv mit dem Pokern beschäftigen.

- Wenn du zu Hause ankommst, lass dir Zeit, setz dich nicht sofort hin, um zu spielen.
Ich empfehle eine Stunde Ruhe, lass dein Gehirn zu Ruhe kommen, mache dir Abendbrot, schaue dir eine Folge deiner Lieblingsserie an, rufe einen Freund an, beschäftige dich mit deinem/r Freund/in.

- Spiele nur dann, wenn du dich wirklich frisch fühlst. Falls das nicht der Fall ist, lies Foren oder Fachliteratur, oder sieh dir ein paar Poker Videos an.

- Akzeptiere, dass der Tag nur 24 Stunden hat, und versuche nicht mehr daraus zu machen.

- Teile deine Zeit, die du mit Pokern verbringst, ein. Spiele nicht nur, denn es gibt bestimmt noch viel zu lernen. Finde Zeit für Spielanalysen oder Teaching Videos.

- Versuch nicht nach einem stressigem Tag zu spielen. Deine Gegner, die in besserer Verfassung sind oder sich nur mit Pokern beschäftigen, werden dich schlagen. Geh aus, trinke mit deinen Freunden ein paar Bier, lass den Druck raus. Es ist dir bestimmt schon aufgefallen, dass das Spiel viel besser läuft, wenn du dich mit einem Lächeln an die Tische setzt.

- Versuche auch einmal eine ganze Woche frei zu nehmen, oder einen pokerfreien Tag einzulegen. Glaube mir, es wird deinem Spiel gut tun.

- Treibe wöchentlich mindestens 2-3 mal Sport. Suche dir eine Sportart aus, wo du völlig abschalten kannst.

- Spare nicht am Urlaub. Lass dir niemals im Traum einfallen,  lieber zu pokern als wegzufahren. Es ist wichtig, dass du genügend Zeit für passiven und aktiven Urlaub hast. Gehe wandern, Skifahren, zum Rafting, Klettern, oder liege faul mm Strand :-) Glaube mir, du wirst mit keiner Silbe an Pokern oder deine Arbeit denken. Während des Urlaubs sollte man auch nicht pokern, obwohl man sich natürlich das örtliche Casino anschauen darf:-)

- Kümmere dich um deine Famillie und deine Bekannten. Der Schlüssel für deine Ausgeglichenkeit liegt darin, so wenig wie möglich Streit und Disharmonie aufkommen zu lassen. Bitte sie um Verständis!  Schliesslich ist das dein Nebenjob.

Ich hoffe, Ihr könnt ein paar Ratschläge nutzen. In unserem nächsten Artikel geht es um den Profi Poker Spieler.

Zu dem Thema empfehlen wir das Buch von Berry Greenstein: Ace on the River


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