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Erik Seidel - Langfristig planen!
Autor: Eric Seidel02. 03. 2008
Wettkampfpoker kann sehr schwierig sein .Es ist total egal, wie gut man ist. Es muss immer damit gerechnet werden, dass auch lange Zeiträume kommen können, wo die Dinge nicht so laufen, wie wir sie gerne hätten. Auch die besten Pokerspieler, die heute noch leben, haben monate- oder sogar jahrelang Zeiten ohne größere Erfolge erlebt. Mit solchen trostlosen Zeiten ist es nicht leicht umzugehen, wenn man nicht über eine entsprechende mentale Einstellung verfügt.
Ich denke, dass verlustreichen Zeiten in erster Linie jungen Spielern zu schaffen machen, die in ihrer noch kurzen Karriere schon frühzeitig größere Erfolge erreicht haben. Sie erwarten weitere, noch größere Ergebnisse und für sie ist eine negative Serie dann besonders bedrückend. Wegen der Enttäuschung sind sie dann geneigt zu denken, dass sie Fehler gemacht haben. Sie versuchen ihr Spiel zu ändern und machen dabei den Fehler, diese Änderungen nicht ausreichend zu durchdenken. Das ist die Ursache weiterer Mißerfolge.


Eric Seidel

Um diese langen und belastenden Serien überstehen zu können, muß jedem Pokerspieler klar sein, dass schlechte Zeiten unvermeidbar sind. Sie sind fester Bestandteil des Pokerspieles. Wichtig ist es jedoch jedes Spiel mit dem festen Willen zu beginnen, gewinnen zu wollen., aber genauso wichtig ist es, bei der Realität zu bleiben. Wenn wir mit der Erwartung in den Wettkampf gehen, jedes Spiel zu gewinnen, was wir spielen, ist die Enttäuschung nach jedem Ausfall groß und beinflusst unser seelisches Gleichgewicht und unser weiteres Spiel in eine negative Richtung. Am Anfang meiner Karriere habe auch ich die Erfahrung machen müssen, was für meinem Selbstbewusstsein nicht gerade hilfreich war.

Es verging Zeit und ich bemühte mich meine Aufmerksamkeit auf andere Sachen zu lenken. Heute gehe ich mit der Einstellung an jedes Spiel, immer die bestmöglichsten Entscheidungen treffen zu wollen. Wenn ich mich auf mein Spiel konzentriere , kann ich auch ehrlich zu mir selbst sein und die Antwort darauf suchen, was ich gut gemacht habe und wo ich mich noch verbessern muss.
Ich gehöre nicht zu den Spielern, die ihre eigenen Fehler nicht einsehen und ein verlorenes Spiel einer Pechsträhne zurechnen.

Einige Spieler sind der festen Überzeugung, dass sie gut spielen, wenn die Ergebnisse kommen. In Wirklichkeit haben sie nur Glück mit den Karten und verfügen nicht ungedingt über ein hervorragendes Spielerwissen. Wenn ein Spiel zu Ende ist, erinnere ich mich immer daran, dass ein Profipokerspieler das Temperament und die Ausdauer eines Maratonläufers benötigt,  nicht die eines Sprinters. Wenn ich gut spiele und ständig gute Entscheidungen treffe, dann gibt es früher oder später den Lohn dafür. Es kann allerdings auch sein, dass sehr viel Zeit vergeht, bis ich das Ergebnis erreiche, wovon ich träume.

Verfasst von: Erik Seidel
Quelle:
Full Tilt Poker

Im Laufe seiner Pokerlaufbahn gewann  Erik Seidel 8 WSOP Bracelets und gehört zu den Top 10 der bestverdienensten Pokerspieler in der Geschichte der WSOP.

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